NPD-Veranstaltung in Gropiusstadt nicht ohne antifaschistischen Widerstand!

12.05.2007 keine räume für die npd

Am 8.Mai 2007 führte der Landesverband der NPD eine Veranstaltung in den öffentlichen Räumen des Gemeinschaftshauses Gropiusstadt im Bezirk Neukölln durch. Unter dem Motto "8. Mai ? Gestern eine Niederlage, heute eine Chance, morgen ein Sieg" sprach der wegen seines aggressiven Geschichtsrevisionismus schon öfter mit antifaschistischem Widerstand konfrontierte "Historiker" Olaf Rose vor knapp 80 Neonazis aus dem Spektrum der NPD, der "Freien Kameradschaften" und der "Reichsbürger". Einleitende Worte gab es vom Landesvorsitzenden Eckart Bräuniger. In den Vorträgen - wie auch schon im Veranstaltungstitel selbst - wurde mehrfach die Zeit des Nationalsozialismus glorifiziert und der Holocaust relativiert.
Schon vor der Veranstaltung hatten sich größere Gruppen von Neonazis am U-Bahnhof Rudow und am S-Bahnhof Treptower Park gesammelt um zum Veranstaltungsort zu fahren.
Bereits am 5.5. hatte die NPD in vielen der Hochhäuser in Gropiusstadt Werbung für ihre Veranstaltung in Briefkästen verteilt.

Gerade am 8.Mai, dem Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus durch die Streitkräfte der Alliierten und der Roten Armee, kann eine solche NS-verherrlichende Veranstaltung natürlich nicht unwidersprochen hingenommen werden.
Während der Veranstaltung hielten etwa 250-300 GegendemonstrantInnen eine Kundgebung gegen die Vergabe von Räumen an die NPD durch die Verantwortlichen im Neuköllner Bezirksamt und die jüngsten neonazistischen Aktivitäten im Bezirk. Aufgerufen hatte hierzu das Antifaschistische Bündnis Neukölln (ABN) und weitere antifaschistische Gruppen und Bündnisse. Leider wurde die Kundgebung durch die Polizei in die entlegenste Ecke des Platzes verlegt, wodurch eine direkte intervention nicht möglich war. Nach der Kundgebung zog eine kraftvolle, spontane Demonstration mit etwa 170-200 TeilnehmerInnen zum U-Bahnhof Rudow. Diese richtete sich gegen die neonazistischen Aktivitäten in Süd-Neukölln, besonders in Buckow und Rudow. Am Rande auftauchende Nazi-Kids wurden mit klaren Ansagen nach hause geschickt.
Ein Teil der DemonstrationsteilnehmerInnen zog im Anschluss erneut zügig vor den Veranstaltungsort und zeigte der sichtlich unvorbereiteten Polizei und den verdutzten Nazis, wie spontan Antifaschismus sein kann.
Dieser von vielfältigen Zusammenhängen getragene Widerstand ist ein weiteres positives Beispiel für die gelungenen antifaschistischen Interventionen im Bezirk in der letzten Zeit (weitere siehe weiter unten und hier )

Ein Interview, dass die linke Tageszeitung 'Junge Welt' im Vorfeld der Veranstaltung mit der Antifa-AG Rixdorf führte, dokumentieren wir im Folgenden in einer leicht veränderten Vollversion:

"Affront am 8. Mai bleibt nicht unwidersprochen"

Proteste gegen NPD-Veranstaltung am "Tag der Befreiung" in Berlin-Neukölln. Der Bezirk ist bereits länger im Blickfeld der Neonazis. Ein Gespräch mit Marek Seilson

Marek Seilson ist aktiv in der Antifa AG Rixdorf in Berlin-Neukölln

Ausgerechnet am 8. Mai, dem 62. Jahrestag der Befreiung vom deutschen Faschismus, plant die NPD eine Veranstaltung im Berliner Stadtteil Neukölln. Was ist seitens der Neonazis geplant?

Die NPD hat im Gemeinschaftshaus Gropiusstadt Räumlichkeiten für rund hundert Personen angemietet. Sie will dort ab 18 Uhr mit ihrer Saalveranstaltung beginnen. Auf der Suche nach einem geeigneten Ort, ist sie in Neukölln fündig geworden.
Mit Sicherheit ist die Wahl dieses Ortes kein Zufall. Schon seit längerem zeichnet sich ab, dass es im Bezirk durchaus einen fruchtbaren Boden für neonazistische Propaganda und rechte Aktivitäten gibt. Dies zeigte sich nicht zuletzt bei den Wahlen zur Bezirksverordnetenversammlung (BVV) im September vergangenen Jahres, bei denen die NPD 3,9 Prozent erreichte und nun mit zwei Verordneten im Bezirksparlament sitzt.

Welche Aktionen sind dagegen geplant?

Dieser Affront der NPD darf natürlich nicht unwidersprochen bleiben, Ein breites antifaschistisches Bündnis - vor allem Gruppen aus dem Bezirk sind darin aktiv - ruft daher ab 17 Uhr zu einer Gegenkundgebung am U-Bahnhof Lipschitzallee, direkt am Gemeinschaftshaus Gropiusstadt, auf. Dabei soll unter anderem gegen die Vergabe von Räumen durch die Verantwortlichen im Neuköllner Bezirksamt protestiert werden. Und natürlich geht es auch darum, die umfangreichen neonazistischen Aktivitäten im Bezirk zu benennen und den Widerstand gegen die Rechtsextremen zu stärken.

Wer ist an den Protesten beteiligt?

Neben den Bezirksverbänden von SPD, Linkspartei, DKP und Grünen rufen auch das Antifaschistische Bündnis Südost (ABSO), die Autonome Neuköllner Antifa (ANA) sowie die VVN-BdA Berlin und die SDAJ zu den Protesten auf.

Wie bewerten Sie die Neonaziszene im Stadtteil Neukölln und welche Rolle hat dabei die NPD?

Die Neonaziszene gerade im südlichen Teil Neuköllns gehört zu den aktivsten in Berlin. Es ist den rechten Kadern in den letzten Jahren verstärkt gelungen, Jugendliche in so genannte ?Freie Kameradschaften? einzubinden. Diese Leute sind im Schnitt 20 Jahre alt und äußerst gewaltbereit. Sie orientieren sich in ihrem Habitus und ihrer Praxis an den so genannten "Autonomen Nationalisten".
Besonders auffällig ist hierbei das Agieren von einschlägigen Neonazikadern wie René Bethage, der seine "Jugendarbeit" zuvor im benachbarten Treptow-Köpenick mit der Gründung der mittlerweile verbotenen Kameradschaft Berliner-Alternative Süd-Ost (BASO) erprobte und sie nun im Neuköllner Stadtteil Rudow nahezu unbehelligt fortführt. Der Kreisverband der Jungen Nationaldemokraten, der Jugendorganisation der NPD, besteht seinerseits vor allem aus Angehörigen der Kameradschaftsszene. Dadurch erhält diese einen legalen Rahmen, der Schutz vor erneuten Verboten verspricht.

Ist seit dem Einzug der NPD in die BVV eine Zunahme rechter Aktivitäten in Neukölln zu beobachten?

Ja. Bereits im Wahlkampf hat sich abgezeichnet, dass das Selbstvertrauen der Neonazis gestärkt ist. Hier leisteten die eben erwähnten Jüngeren handfeste Schützenhilfe für die NPD, indem sie beispielsweise einen Stand der Linkspartei.PDS mit Feuerwerk, Metallstangen und Flaschen angriffen und auch bei Aktionen der anderen Parteien störten. Zudem ist festzustellen, dass die NPD und die Kameradschaftsszene seit dem NPD-Wahlerfolg noch enger zusammenarbeiten. Thomas Vierk und Jan Sturm, die beiden NPD-Verordneten in der BVV, verstehen sich offenbar als parlamentarischer Arm der gewaltorientierten Kameradschaftsszene des Bezirks. Propaganda-Aktionen werden seit dem Wahlerfolg verstärkt und gemeinsam unternommen. Im übrigen auch gezielt im migrantisch geprägten nördlichen Teil Neuköllns, hier wohnen auch zahlreiche Kader der NPD.
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Und wie gehen antifaschistische Gruppe wie Ihre gegen Neonazis in Neukölln vor?

Neben der Dokumentation der Neonazi-Aktivitäten geht es natürlich auch um eigene Akzente: So führen die Antifagruppen des Bezirks Veranstaltungen, Demonstrationen und Info-Stände durch. Auch das Jugendhaus Anton-Schmaus-Haus hat das Problem erkannt und angekündigt, verstärkt antifaschistische Jugendarbeit im Bezirk zu machen.
In so genannten "antifaschistischen Kiez-Spaziergängen" geht es darum, den Neonazis "ihre" Räume streitig zu machen. Hierbei wird rechte Propaganda entfernt und durch antifaschistische Flyer, Aufkleber und Plakate ersetzt.
Vor wenigen Tagen erst wurden Anführer aus Kameradschaften und NPD in ihren Kiezen mit Kundgebungen und Flugblättern öffentlich bekannt gemacht, um sie aus der Anonymität zu holen. Wir halten dieses Vorgehen für erfolgversprechend und gehen davon aus, dass derlei Aktivitäten auch in Zukunft fortgeführt werden.

Das Original-Interview aus der 'Jungen Welt' ist unter folgendem Link zu finden: http://www.jungewelt.de/2007/05-07/027.php


Der Flyer zur Kundgebung


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